Sechs Fragen an Kultusminister Grant Hendrik Tonne

Herr Tonne, Sie haben erneut die Schirmherrschaft für das Projekt MEDIACAMPUS übernommen. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für die Medienbildung?
Portrait des Kultusministers Grant Hendrik Tonne

Kultusminister Grant Hendrik Tonne – Schirmherrschaft Projekt MEDIACAMPUS

Wir alle sind täglich einer zunehmenden Informationsmenge ausgesetzt. Jederzeit und oft ungefiltert haben auch Kinder und Jugendliche über eine Vielzahl an Medien Zugang zu jeglicher Art von Nachrichten oder Berichten. Damit kritisch, reflektiert und verantwortungsbewusst umgehen zu lernen, ist ein wichtiger Bestandteil der Medienbildung und wird im Rahmen von MEDIACAMPUS gefördert. Das Wissen darüber, wie Meldungen und Berichte entstehen, ist deshalb besonders wichtig, um zum Beispiel beurteilen zu können, welche Quellen seriös sind und ob es sich eventuell um Fake News handelt. Und nebenbei wird bei der Arbeit im Projekt auch die Lese-und Schreibkompetenz gefördert. Medienbildung, Lesen und Schreiben sind als Schlüsselkompetenzen Voraussetzung für die Teilhabe an der Wissens- und Informationsgesellschaft sowie an Prozessen der Meinungsbildung.

Schülerinnen und Schüler nutzen digitale Medien geradezu selbstverständlich, und digital gestützter Distanzunterricht gehört seit Beginn der Pandemie quasi zum Schulalltag. Welchen Beitrag kann in diesem Zusammenhang ein crossmediales Angebot wie MEDIACAMPUS für die Schule leisten?

Der digitale Wandel hat weitreichenden Einfluss auf die Gesellschaft und wirkt sich sowohl auf den Bildungsbereich als auch auf die Medienlandschaft aus. In erheblicher Weise hat die Pandemie diese Transformationsprozesse intensiviert und beschleunigt. Die Arbeit an mobilen Endgeräten zu Hause, der Kontakt über Videokonferenztools und der Umgang mit digitalen Informationen gehören mittlerweile wie selbstverständlich zum privaten, schulischen und beruflichen Alltag. So wie die Tageszeitung nicht mehr nur als Printmedium existieren kann, sondern ihre Inhalte multimedial aufbereitet und über verschiedene Kanäle verbreitet, so haben sich auch Schulen auf den Weg der digital gestützten Bildung gemacht. Ein crossmediales Angebot wie MEDIACAMPUS passt insofern gut zu einem fortschrittlichen Unterricht über und mit Medien.

Wie werden Medienkompetenzen in einem zeitgemäßen und zukunftsorientierten Unterricht vermittelt?

Digitale Lehr- und Lernprozesse in den Schulen zu etablieren ist eine komplexe Anforderung. Medienbildung muss daher auch als Querschnittsaufgabe gesehen werden.

Basierend auf den Empfehlungen der KMK-Strategie „Bildung in der Digitalen Welt“ sind sechs Kompetenzbereiche im Orientierungsrahmen Medienbildung in Niedersachsen aufgeführt. Diese bilden die Grundlage für die Verankerung von Medienkompetenzen in den Curricula und schulischen Arbeitsplänen. Es gilt, neue Formate und agile didaktische Konzepte für den Unterricht aller Fächer zu entwickeln, die in Methodik und Inhalt den medialen Wandel aufgreifen.

Medienkompetenz kann und muss vor allem praxisorientiert vermittelt und erworben werden, indem sich Schülerinnen und Schüler aktiv handelnd und somit selbstwirksam erleben. Eine Anknüpfung an der von digitalen Medien geprägten Lebenswirklichkeit von Schülerinnen und Schülern ist ebenfalls unerlässlich. Ein barrierefreier Zugang zu jeder Form von Medien, eine konzeptionell angelegte Implementierung in den Unterricht aller Fächer sowie medienpädagogisch fortgebildete Lehrkräfte sind wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Vermittlung von Medienkompetenz.

Inwiefern hat die Pandemie die Bildung mit digitalen Medien in Niedersachsen beeinflusst?

Der pandemiebedingte Digitalisierungsschub hat Bildung und Unterricht nachhaltig geprägt. Diese Veränderungen betreffen nicht nur die digitalen Infrastrukturen und die Ausstattung mit Endgeräten, sondern auch Unterrichtsformen und -methoden. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte mussten sich auf die Bedingungen von Distanzlernen und Hybridunterricht einstellen. Damit einher gingen eine verstärkte Digitalisierung und Individualisierung des Lernens sowie neue Formen der Kommunikation und Kollaboration.

Wie ist der aktuelle Stand der digitalen Transformation an niedersächsischen Schulen?

Wir in Niedersachsen sehen uns auf einem guten Weg, was die Fortschritte im Bereich der Digitalisierung von Lehr- und Lernprozessen in unseren Schulen betrifft. Grundlage eines gelungenen Transformationsprozesses in das digitale Zeitalter bildet eine leistungsfähige Infrastruktur. Das ist eine große Herausforderung für ein Flächenland wie Niedersachsen. Mit dem Masterplan Digitalisierung wird in einer beispiellosen Ausbauoffensive in die digitale Infrastruktur unseres Landes investiert.

Mit Anfang dieses Jahres haben wir das Sofortausstattungsprogramm für die digitalen Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler mit Bedarf vollständig umgesetzt, um das Distanzlernen für alle Schülerinnen und Schüler sicherzustellen. Die zwei weiteren Zusatzprogramme des DigitalPakt Schule für die Ausstattung der Lehrkräfte mit digitalen Leihgeräten und die Verstärkung der administrativen Unterstützung für Schulen sind nun seit Juni am Start. Nicht alles geht so schnell, wie manch einer sich das erhofft, aber unter den gegebenen Umständen sind wir unserem Ziel doch erheblich nähergekommen.

Was macht den besonderen Effekt einer Kooperation zwischen Medienpraxis und Schule aus?

Ich sehe in der Kooperation und Vernetzung mit außerschulischen Bildungspartnern eine sinnvolle Bereicherung des schulischen Lernens, die eine große Bedeutung für die Qualität und Wirksamkeit der Bildungsarbeit hat.

Denn ich bin überzeugt, dass die besondere Form des Praxisbezugs das Interesse, die Motivation und den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler nachhaltig fördert. Der Einsatz von Medienpraxis in Schulen unterstützt die übergreifenden Bildungsziele der Berufsorientierung und der Medienbildung. Insofern begrüße ich ausdrücklich den wertvollen Beitrag, den das Projekt MEDIACAMPUS in diesem Zusammenhang leistet.